Was ist Leaky Gut?
Das Leaky-Gut-Syndrom wird definiert als eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand. Die schmalen Membranbänder der Darmzellen, die sogenannten Tight Junctions, sorgen dafür dass die Schleimhautzellen eine Barriere bilden, sie sind dicht. Sie können aber auch durchlässig sein und selektiv Nahrungsbestandteile wie Wasser, Elektrolyte und Ionen durchlassen. Tight Junctions bilden mal losere, mal dichtere Barrieren. Die Tight Junctions des Dünndarms sind beispielsweise 10.000 mal durchlässiger für Ionen als die der Harnblase. Wenn allerdings die Permeabilität (Durchlässigkeit) so hoch wird, dass auch Giftstoffe, Pilze und unverdaute Partikel durchtreten, kann das gefährlich werden.
Das Leaky-Gut-Syndrom ist durch die Integrative Medizin bekannt geworden. Noch gibt es aufgrund eines Mangels an wissenschaftlichen Studien, keine offizielle Anerkennung des Krankheitsbildes. Einigen medizinischen Fachblättern stößt der Begriff sauer auf. Sie halten nichts von einer erhöhten permeablen Dünndarmwand als Ursache einiger chronischen Leiden, wie Blähungen, Durchfall, Hauterkrankungen, Rheuma, Arthritis, Nahrungsmittelintoleranzen, Asthma oder Migräne. Fakt ist jedoch, dass es chronische Erkrankungen gibt, die eine erhöhte durchlässige Darmwand aufweisen. So kommt dies bei Morbus Crohn, Zöliakie oder Reizdarm vor. Die Frage, ob die Darmdurchlässigkeit eine Folge oder die Ursache ist, ist noch ungeklärt. Allerdings ist auch das Leaky-Gut-Syndrom keine Ursache, sondern eben ein Syndrom. Die Ursache wäre das Ungleichgewicht der Darmflora durch Pilze, Bakterien oder Viren.
Kann man also sagen, das Leaky-Gut nicht existiert, nur weil es noch keine diagnostischen Beweise gibt? Es wäre interessant mehr darüber zu erfahren, als die Annahme direkt als Humbug abzustempeln, nur weil man nicht weiter weiß. Vielleicht gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Leaky-Gut und einem bereits bekannten Krankheitsbild, dem Malassimulationssyndrom geben. Das Malassimulationssyndrom ist die fehlende Nutzbarkeit von durch die Nahrung aufgenommenen Substraten, entweder durch fehlende enzymatische Aufspaltung oder aufgrund einer Resorptionsstörung. Liegt eine Störung der Nahrungsaufnahme durch fehlenden Enzyme vor, spricht man von einer Maldigestion (z. B. bei der Laktoseintoleranz). Geht es um eine schlechte Nahrungsaufnahme durch eine insuffiziente Absorption, spricht man von Malabsorption (z. B. bei Durchfall). Auch das Malassimulationssyndrom kommt bei Zöliakie, Morbus Crohn oder Mukoviszidose vor.
Wie erfahre ich, ob ich an Leaky-Gut leide?
Es gibt zwei gängige Tests, das ist zum einen der Zonulin-Test. Zonulin ist ein Eiweißmolekül, das an der Regulation der Tight Junctions beteiligt ist. Der Test kann einen Hinweis auf eine erhöhte Darmdurchlässigkeit geben. Er steht allerdings auch in der Kritik, da aufgrund der Komplexität der Darmtätigkeit eine zuverlässige Aussage, die allein auf das Zonulin zurückzuführen ist, nicht gegeben ist.
Als weiteren Nachweis könnte der Lactulose-Mannitol-Test helfen. Hier nimmt der Patient eine Lösung ein, die den Zweifachzucker Lactulose (nicht Laktose!) und den Zuckeralkohol Mannitol enthält. Anschließend wird der Urin untersucht. Enthält der Urin einen unüblichen Anteil der beiden Stoffe, kann dies ein weiterer Hinweis sein.
Was kann ich dagegen tun?
Generell muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die hier zur Verfügung gestellten Informationen keine Untersuchung oder Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker ersetzen. Mein Artikel dient euch nur als Impulsgebung über eine Gesundheitsvorsorge. Wer die Empfehlungen anwendet, tut dies in eigener Verantwortung.
Allem voran sollte ein Aufbau der Darmflora mit verschiedenen Bakterienstämmen (Bifidobakterien und Laktobazillen) und Mikronährstoffen erfolgen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Schleimstoffe wie, Leinsamen oder Flohsamen (Link) können helfen, die Darmschleimhaut zu stärken. Außerdem sind probiotische und präbiotische Lebensmittel zu empfehlen. Präbiotika sind das Futter der Probiotika (Darmbakterien). Ich habe euch meine Instagram-Beiträge dazu verlinkt. Beispielsweise enthält der Wiesenbocksbart sehr viel Inulin, ein Präbiotikum ist.
Fazit
Ich kann nicht sagen, ob es so etwas wie das Leaky-Gut-Syndrom gibt, aber ich bin überzeugt, dass viele Erkrankungen auf einen nicht-intakten Darm zurückzuführen sind. In unserem Darm sitzt 80% unseres Immunsystems. Der sogenannte Peyers-Plaque enthält eine Ansammlung von Lymphfollikeln. Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann man seinem Darm, sehr viel Gutes tun kann. Leaky-Gut-Syndrom hin oder her, der Darm ist unsere Defense und behandelt ihn gut!


